Wo lebte das Volk der Mahlemuit ?

 ALASKAN MALAMUTE CLUB OF AMERICA 

Newsletter Vol.51, No.12, Dezember 2003 

„ History Committee “
  
Artikel von Jane Wilson Adickes
    
Wo lebte das Volk der Mahlemiut  ??? Als ich anfing, dieser Frage nachzugehen, nahm ich bewusst nicht meine zahlreichen Bücher über den Alaskan Malamute zur Hand sondern versuchte, das Vorkommen der verschiedenen Sippen des Volksstammes der Mahlemiut aus historischen Quellen zu eruieren. Normalerweise enthalten Bücher über Hunderassen einen historischen Rückblick; im konkreten Fall steht geschrieben, dass die Mahlemiut in der Gegend des Norton Sound und des Kotzebue Sound lebten. Bei Betrachtung der Landkarte ist zu erkennen, um ein wie großes Gebiet mit einer Reihe unterschiedlichster Klimata es sich handelt. Unter Zuzug von weiteren Dokumenten versuchte ich also, die geographische Lage ihrer Dörfer einzugrenzen.
 Die Mahlemiut waren eine kleine Volksgruppe und nur spärlich wurde über sie geschrieben. Das Orten der exakten Lage ihrer Dörfer erwies sich als eine schwierige Aufgabe, dies umso mehr als sie offenbar des Öfteren umherzogen. Schliesslich stiess ich auf eine 16 Mahlemiut-Dörfer umfassende Liste mit je einem sehr kurzen Beschrieb der einzelnen Siedlungen, verfasst von John R. Swanton, Bureau of American Ethnology Bulletin 145 / 1953. Es handelt sich um einen Auszug aus „The Indian Tribes of North America„ zugehörig zur Smithsonian Institution. Auf den Namen eines jeden Dorfes lasse ich die vollumfängliche Beschreibung folgen. Es handelt sich um offizielle Zensus-Daten (Volkszählung) und ich darf annehmen, dass diese 16 Siedlungen in den Jahren um 1800 den Standort eines Großteils wenn nicht des gesamten Mahlemiut-Volkes bildeten. Das von „The Northern Plains Archive Project“ ins Internet gesetzte „Swanton’s Bulletin“ wird durch grossartige historische Informationen und Karten ergänzt. Die Website selbst lohnt eine Betrachtung, selbst wenn das Hauptaugenmerk nicht Alaska und den Inuit gilt; weitere Karten wurden in Aussicht gestellt. Ich bediente mich auch des "United States Geological Survey", um die Mahlemuit-Siedlungen so genau als nur möglich zu orten. 
Die nummerierten Dreiecke bezeichnen die Lage der Mahlemiut-Dörfer. Weitere Angaben sind zu finden auf der website „query the GNIS online databases“ wo nach Dorfnamen gesucht werden kann. Gewisse Informationen konnte ich in dem 1967 veröffentlic hten „Dictionnary of Alaska Place Names. Geological Survey Professional Paper 567 (von Donald J. Orth) nachschlagen. Die Mahlemiut, welche an der Küste des Norton Sound nördlich von Shaktolik und bei der Landenge der Halbinsel Seward Peninsula siedelten, bewohnten die folgenden Dörfer (gemäss den nummerierten Dreiecken auf der Karte) :  
Von einem der Dörfer ist lediglich sein Name Akchadak-kochkond übrig geblieben und auch seine genaue Lage ging geschichtlich verloren.


Atten (1) liegt an der Quelle des Buckland River und wird im USGS als frühes Eskimo-Dorf (1869) mit dem Namen Attenmut (oder auch Attemut) erwähnt. Seine Lage wurde angegeben mit „nahe der Quelle des Buckland Flusses, genauere Angaben sind nicht auszumachen

 Chamisso (2) auf Chamisso Island in der Eschscholtz Bay. Diese Insel hat eine Länge von einer Meile (1,36 km) und liegt 57 Meilen südwestlich von Selawik. Im „Dictionary of Alaska Place Names“ wird das Dorf anno 1827 von Capt.F.W.Beechey vom U.S. Signal Service als frühe Eskimo-Siedlung oder Camp mit der Bezeichnung E-owick aufgeführt

 Inglutaligemiut (3) am Inglutalik River. Eine genauere Ortung ist nicht möglich, sodass ich davon ausgehe, das Dorf liege an diesem Fluss, möglicherweise näher der Mündung; die allgemeine Lage stimmt in jedem Falle

 Kongik (4) am Buckland oder Konguk River. Die USGS platziert die Kongik-Siedlung an den Buckland River; die effektive Lage ist allerdings unbekannt, obwohl das Dorf im Zensus von 1880 als Kongigamute und mit einer Bevölkerungszahl von 90 Seelen erwähnt ist. Im Zensus von 1890, also 10 Jahre später, ist es unter dem Namen Kengugmiut mit einer Population von 54 aufgeführt

 Koyuktolik (5) am Koyuk River (keine weiteren Angaben)

Kugaluk (6) in der Spafarief Bucht an den Ufern des Kotzebue Sound. Im USGS ist von dieser Siedlung nichts erwähnt, jedoch fand ich im „Dictionary of Alaska Place Names“ einen Eintrag, wonach das Dorf an der Nordostküste, zwischen Spafarief Bay und Kiwalik Lagoon lag. Die Zahl der Population wird mit 10 angegeben, die Lage mit 66 Grad 02’ N, 161 Grad 50’ W. Lt. L.A.Zagoskin berichtete anno 1850, dass Kugaluk nach dem Kiwalik River benannt wurde, allerdings verwendete er dafür auch die Bezeichnung Kualing-miut. Um 1890 wurde dieser Ort zum Handelsplatz der Bergbau-Aktivitäten im Raum von Candle

 Kungugemiut (7) am Buckland River. Dieses Dorf konnte ich nur ungefähr platzieren weil nicht klar ist, an welcher Stelle des Flusses es lag.

 Kviguk (8) an der Mündung des Kviguk Flusses, am Ufer des Norton Sound – weitere Angaben sind im USGS nicht verfügbar

 Kvinkak (9) am Kvinkak River, am oberen Ende des Norton Sound

 Kwik (10) zwei Dörfer : das eine an einem Flusslauf nahe der Landspitze des Norton Sound,das andere im Westen von Bald Head, Norton Bay, Anno 1880 nennt der Zensus für Kwik eine Bevölkerungszahl von 30. Andere für Kwik benutzte Bezeichnungen und Namen waren:  Isaacs, Kuik, Kuikh, Kuikli, Kvigmut, Kviougmiute, Kwikh, Kwikmute,  Queekmute und Quick. Lt. D.H.Jarvis schreibt 1897 im USGS, dass Kwik ein Eskimo-Ausdruck für ‚Fluss’ ist

 Nubviakchugaluk (11) an der Nordküste des Norton Sound; gemäss den im USGS enthaltenen Zusatzangaben befand sich dieses Dorf am nördlichen Ufer der Norton Bay, nahe der Mündung des Kwik River. Im Zensus 1880 wird die Bevölkerungszahl von Nubviakchugaluk mit 30 angegeben

 Nuklit (12) am Cape Denbigh, Norton Sound. Gemäss dem „Dictionary“ of Alaska Place Names“ ist eine ebenfalls verwendete Schreibweise Nukleet. Dieser Name wurde 1849 von Capt. M.D.Tebenov, IRN, verwendet. Gemäss Baker (1906) war Nuklit die Inuit-Bezeichnung für Cape Denbigh

 Shaktolik (13) an der Ostküste des Norton Sound. Auf der website des eingeborenen Alaskan Iditarod Mushers, Palmer Sagoonick, fand ich die folgende kurze Geschichte über Shaktolik:

Shaktolik war das erste und südlichste Mahlemiut-Dorf am Norton Sound und wurde bereits anno 1839 besiedelt. Shaktolik wurde 1842-44 erstmals kartiert von Lt. A.L.Zagoskin von der Imperial Russian Navy, wobei er den Namen Tshaktogmyut verwendete. 12 Meilen nordöstlich, am Cape Denbigh, befindet sich lyatayet, ein sechs- bis achttausend Jahre alter Markstein von nationaler historischer Bedeutung. Ursprünglich befand sich das Dorf 6 Meilen flussaufwärts am Saktoolik River und verschob sich um 1933 zur Flussmündung. Dieser Ort war schweren Stürmen und Unwettern ausgesetzt und siedelte im Jahr 1967 an seine heutige, wesentlich besser geschützte Lage um. Zurzeit gibt es am ursprünglichen Ort lediglich zwei bewohnte Behausungen. Von 1930-1933 und 1944-1949 war eine Poststelle in Betrieb, sie wurde erst kürzlich wiedereröffnet, nachdem Shaktolik anno 1969 als Zweitklass-Stadt eingemeindet wurde. Das Gebiet von Shaktoolik war um 1905 ein wichtiger Scheideplatz für Rentierherden.

 Taapkuk (14) am Cape Espenberg, Kotzebue Sound. Im „Dictionary of Alaska Place Names“ wird Taapkuk 1847 von Lt. L.A.Zagoskin, IRN, als frühere Eskimo-Siedlung mit dem Namen Tapichakgmut aufgeführt; im Zensus 1880 ist die Populationsstärke mit 42 Seelen angegeben

 Ulukuk (15) am Ulukuk River, im Osten des Norton Sound. Gemäss USGS war dies ein früheres Eskimo-Dorf, von dem Lt. L.A.Zagoskin 1842-1844 berichtete. Die USGS vermutet, dass es sich 20-30 Meilen im Osten des Norton Sound, am Unalakleet River, befand. Der Ulukuk ist ein Nebenarm des Unalakleet River, etwa 30-40 Meilen entfernt am Norton Sound. Obwohl meine beiden Quellen eine widersprüchliche Information bezüglich der genauen Lage dieses Dorfes liefern, lässt sich eine auf 20 Meilen exakte Schätzung abgeben

 Ungalik (16) an der Mündung des Ungalik River am östlichen Ende des Norton Sound

 Mit einer neu erschienenen, aktuellen Karte in Händen, konnte ich mir nun ein viel klareres Bild darüber machen, wo in Alaska die Mahlemiut – Hunde lebten. Das in dieser Gegend vorherrschende Klima dürfte wohl der hauptsächlichste natürliche Selektionsgrund gewesen sein. Der nächste mich interessierende Punkt im Zusammenhang mit dem Klima der Seward Peninsula war die dort zu erwartende Schneequalität – kalte, wüstenähnliche Konditionen oder einfach die für Ebenen typische Kälte.

Wie es sich im Rahmen der Diskussionen über die Länge des Fells unseres Alaskan Malamute herausstellte, besitzt Alaska Wüsten-Zonen (www.alaska.com/three deserts of the north), deren zwei ganz in der Nähe der Seward Peninsula. Die Great Kobuk Sanddünen umfassen 25 Quadratmeilen (ca. 40 km2), dies ist die welt-grösste aktive Dünenfläche nördlich des Polarkreises. Obwohl heisse Sommertemperaturen erreicht werden (über 90’ Fahrenheit ist es in der übrigen Zeit des Jahres sehr kalt. Diese Dünen befinden sich im Kobuk Valley National Park, etwa 90 Meilen (145 km) nördlich von Kotzebue.

Eine andere nur 5 Quadratmeilen grosse Dünen-Zone heisst Nohagabara Dunes und liegt in den Niederungen des Oberlaufs des Dagiti River, rund 35 Meilen westlich von Huslia bzw. 60 Meilen im Norden von Galena (siehe Landkarte Koyukuk National Wildlife Refuge, accompanying map). Ein Blick auf die Karte lässt erkennen, dass diese Tundra-Wüstenregion nicht dort liegt, wo die historischen Mahlemiut lebten. Dörfer und Wüstengebiet werden sogar durch Bergketten voneinander getrennt. Gemäss website des U.S.D.A. Forest Service handelt es sich bei der Seward Halbinsel um eineTundra-Wiesenlandschaft. Hiernach ein paar Angaben dazu:

 Seward Peninsula, Tundra-Meadow Province, 20'600 Quadratmeilen (53,4 km2)

Gestaltung der Landoberfläche: Das Gebiet beinhaltet ausgedehnte Hochebenen (150-600 m) mit breiten, konvexen Hügeln mit flacher Wasserscheide, durchzogen von V-förmigen Tälern. Einzelne Gruppen von vergletscherten Bergen überragen mit ihren 800-1'400 m hohen Gipfeln das Küstengebiet und die Tiefebenen. Das Muttergestein ist hauptsächlich metamorph mit Granit-Intrusionen von mächtigem Ausmass. Es herrscht eine periglaziale Entwicklung und es bilden sich keilförmige Eisbrocken

Klima: Charakteristisch für das Klima der arktischen Tundra sind die langen, kalten Winter und die kurzen, kühlen Sommer. In Nome beispielsweise verzeichnete man eine Tiefsttemperatur von -47’F (-44’C) und ein Maximum von +84’F (+29’C). Die durchschnittliche Temperatur beträgt etwa 3’F (-16’C) im Januar und um die +50’F (+10’C) im Juli. Im Winter liegt die durchschnittliche Tagestemperatur zwischen minimal -24 und -19’C und maximal -16 bis -11’C. Die sommerlichen Werte reichen von 1 – 6’C bis höchstens 13 – 17’C. Die Wachstumsperiode dauert weniger als zwei Monate ! Im Winter muss mit recht heftigen Schneefällen gerechnet werden, im Sommer aber auch mit grossen Regenmengen. Die mittlere jährliche Niederschlagsmenge liegt bei etwa 18 inches (460 mm), Schnee gibt es jährlich zwischen 39 – 78 inches (1-2 m)

Vegetation:
In der feucht-nassen Tundra der Niederungen gibt es Vegetation, aber auch in der alpinen Tundra auf den höheren Bergen. Die Vegetation besteht in der Hauptsache aus Büscheln von Riedgras, durchsetzt mit weit verstreuten Weiden und Birken sowie einzelnen Hartholzwäldern (Fichten).

Die amerikanischen Entdecker unseres Alaskan Malamute  rekrutierten ihre Hunde nicht direkt aus den Mahlemiut-Dörfern, um damit die Zuchtbasis der Rasse zu schaffen. Somit sollten wir vorsichtig sein, wenn wir uns auf jenes Mahlemiut-Bild beziehen um zu erklären, warum unsere modernen Hunde so aussehen, wie sie eben aussehen, auch hinsichtlich der Länge und Beschaffenheit des Fells.  Einige das Aussehen und Verhalten unserer modernen Malamutes beeinflussende Gene gehen möglicherweise nicht auf den ursprünglichen Hundebestand in den auf der Karte eingezeichneten Mahlemiut-Dörfern zurück.Möglicherweise stammen sie aus anderen Teilen von Alaska und Canada; auch mögen die während des ‚American Goldrush’ von außerhalb eingeschleusten Hunde einen gewissen genetischen Einfluss ausgeübt haben. Die Karte gibt uns aber nützliche Hinweise über das Erbe unserer Rasse und lehrt uns, dass diese ursprünglichen Hunde große Unterschiede in einer Vielzahl von Witterungs-bedingungen erdulden mussten, inbegriffen heftige Schneefälle und Temperaturen, die von frostig bis sehr kalt im Winter pendelten, im Sommer von kühl bis warm, dies allerdings während nur sehr kurzen Perioden.

 Die Siedlungen wurden allesamt an Küsten und Flüssen errichtet, somit waren die Hunde starken Regenfällen und recht unterschiedlicher Schneebeschaffenheit ausgesetzt. Gemäss der im Rassestandard enthaltenen Beschreibung des Erscheinungsbildes, inklusive Haarkleid, wäre ein unter jenen Bedingungen lebender Alaskan Malamute entsprechend gerüstet.

 Die Suche nach den frühen Mahlemiut-Siedlungen war eine äußerst zeitaufwändige aber auch faszinierende Aufgabe. Ich war überrascht von der Vielzahl der aufgelisteten Dörfer und erfuhr dadurch, dass die Mahlemiut in einem größeren geographischen Gebiet lebten als ich mir dies vorgestellt hatte. Vielleicht motiviert ja die von mir erarbeitete Karte weitere Interessierte, nach zusätzlichen Informationen über die Geschichte unserer herrlichen Rasse zu forschen !!

deutsche Übersetzung Helly Vogt, gefunden SKNH Club-Bulletin Ausgabe 04/06 ©Helly Vogt

Alaskan Malamute
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