Todd D.L. Woods, M.D.
übersetzt
aus dem Amerikanischen von Peter Kühlechner
Neurology
with Added Qualifications in Clinical Neurophysiology
Epilepsie ist bei vielen
Rassen zu einem zunehmenden Problem geworden. Ich bekomme mehr Fragen zu
Epilepsie als zu jedem anderen Gesundheitsthema von reinrassigen Hunden,
vielleicht weil ich Human-Neurologe bin und vielleicht weil ich mich mit einer
Anzahl von Rassen beschäftige, die ein wirkliches Problem mit Epilepsie als
einen vererbten Zustand haben (Irish Setter, English Springer Spaniels,
Siberian Huskies)
Genetische Vererbung
variiert von Rasse zu Rasse und noch mehr innerhalb der einzelnen Linien der
Zucht. In einigen Fällen ist die Vererbung höchstwahrscheinlich einfach
rezessiv oder einfach dominant und befindet sich auf einem Autosom.
Wenn die Genetik der Epilepsie offensichtlich auf eine dieser Arten vererbt
worden ist, ist es wohl keine Frage mehr, wie in der Zucht weiter verfahren
werden soll.
Träger einer eindeutig vererbten Form der Epilepsie müssen meines Erachtens
von der Zucht ausgeschlossen werden.
Bei Autosomen mit vererbten rezessiven oder dominanten Eigenschaften ist es
oft einfach, diese Träger zu identifizieren oder mindestens die
Wahrscheinlichkeit vorherzusagen, daß ein Individuum ein Träger ist.
Im allgemeinen aber
kann die Art der Vererbung entweder nicht bestimmt werden oder sie ist
mehrfach bedingt bzw. polygenisch. In diesen Fällen ist die ethische
Entscheidung (bzgl. der Zuchtverwendung) nicht einfach. Man riskiert, das
Kinde mit dem Bade auszuschütten, abhängig von der Stärke der Vorherrschaft
des polygenischen Trägers innerhalb der Zucht.
Epilepsie ist,
einfach beschrieben, ein unkontrollierter elektrischer Zustand des Hirns. Es
kommt durcheinander, eine art von elektrischen Sturm im Gehirn, oder mehr
allgemein handelt es sich um eine synchrone und rhythmische Entladung von
Teilen oder des gesamten Hirns, wodurch Störungen oder Verfälschungen der
normalen elektrischen Aktivitäten entstehen, mit Wellen von elektrischen
Entladungen, die das Verhalten hervorrufen, das vom Betrachter als Anfall
bezeichnet wird.
Anfälle können in den unterschiedlichsten äußerlichen Erscheinungsformen
auftreten, obwohl bei ein und dem selben Tier die Anfälle normalerweise
stereotyp (die gleichen) sind. Anfälle können auch einfach sein mit einer
kurzen Periode der Verwirrung von etwa 15-30 Sekunden, ohne Bewusstseinverlust
und sogar ohne Verlust der Körperkontrolle.
Allgemein können
Anfälle in zwei Kategorien eingeteilt werden, in solche, die einen gewissen
Bereich des Gehirns betreffen (partieller Anfall), und in solche, die das
ganze Gehirn betreffen (genereller Anfall). Generelle Anfälle zeigen sich als
wiederholte und rhythmische Krämpfe der Extremitäten, nachdem sich der ganze
Körper plötzlich gestrafft oder versteift hat und sich die Augen verdreht
haben. Dieser Art von Anfällen folgt normalerweise eine post-ictale (nach dem
Anfall) Phase, deren Dauer abhängig ist von der Dauer der Phase mit
Zuckungen. In diesem Zustand ist das Tier nur schwierig oder gar nicht
ansprechbar.
Generelle Anfälle sind entweder vererbt oder wurden durch medizinische
Krankheiten verursacht, wie z.B. Diabetes, Leberschaden, etc. Partielle Anfälle
sind sehr unterschiedlich in ihrer Erscheinung, abhängig vom attackierten
Bereich des Hirnes. Es gibt Formen mit Perioden, in denen das Tier
wiederholtes Zucken von nur einem Gliedmaß zeigt (contraleteral motor cortex),
oder in denen es bestimmtes Verhalten laufend wiederholt (z.B. Zwinkern,
Lecken, hin- und herwandern), oder einseitige Körperhaltung (contraleteral
premotor areas), aber sie sind dadurch gekennzeichnet, daß das Tier die
Wahrnehmung seines Umfeldes einigermaßen aufrecht erhält, da nur ein Teil
des Hirns durch die abnormalen elektrischen Entladungen betroffen ist.
Nach einem
partiellen Anfall folgt nicht die Phase wie beim generellen Anfall, bei dem
das Tier völlig abgestumpft ist. Partielle Anfälle können ebenfalls vererbt
werden, aber auch gewisse organische Krankheiten kommen als Ursache in Frage.
Generelle Anfälle können
zunächst als partielle Anfälle beginnen, bei denen die abnormale Entladung
in einem Teil des Gehirns anfangen, dort für eine kurze Zeit verbleiben,
bevor sie sich dann auf das ganze Hirn ausdehnen. Solange die Entladungen
isoliert in einem Bereich des Gehirns stattfinden, spricht man, klinisch
gesehen, von einem partiellen Anfall. Haben sich diese Entladungen einmal auf
das ganze Hirn ausgedehnt, betrachtet man dies klinisch als einen generellen
Anfall.
Das Bestimmen der
Art eines Anfalls hilft dem Arzt bei der Feststellung der wahrscheinlichsten
Ursache der Epilepsie. Natürlich ist auch eine solide Kenntnis der Abstammung
und der individuellen Krankheitsgeschichte wichtig, um eine korrekte Diagnose
zu erstellen. Die Ursachen der Epilepsie sind vielfältig. Meine persönliche
Sicht ist: solange nicht bewiesen ist, daß man Epilepsie 'erwerben' kann,
sollte man Vererbung annehmen. Von Grundlegender Bedeutung für das Verständnis
der Vererbung von Epilepsie ist jedoch das Wissen, daß alle Tiere unter den
richtigen (oder sollte ich besser sagen: falschen) Umständen einen Anfall
haben können. Schlafentzug, Blutzuckermangel, Dehydrierung und die dazugehörigen
elektrolytischen Abnormalitäten können neben vielen anderen
Lebenssituationen dazu führen, daß ein Tier einen Anfall hat, und sollte
nicht bedeuten, daß das Tier epileptisch ist.
Ein Tier, das aus
einer großen Höhe fällt (in Relation zu seiner eigenen Größe) und sich
ein Bein bricht, wird nicht unbedingt als eines betrachtet, das einen
vererbten Knochenzustand hat, der es für Brüche anfällig macht.
Ähnlich ist es mit Tieren, die in Stoffwechsel-Stress gebracht werden, sie können
Anfälle haben, ohne epileptisch zu sein. Sich wiederholende Anfälle werden
gewöhnlich dazu benutzt, Epilepsie zu diagnostizieren. Wenn in der Linie
Epilepsie bekannt ist und damit ein genetisches Risiko in der Zucht darstellt,
kann ein einziger Anfall genügen, um dieses Hund aus der Zucht zu nehmen.
Aber ein einziger Anfall bedeutet noch lange nicht, daß ein Tier sein Leben
lang wiederholte krampfartige Vorfälle hat oder daß irgendeine krampflösende
Behandlung erforderlich ist.
Meiner Meinung nach werden voreilige Entscheidungen zum Einschläfern
epileptischer Hunde zuvorderst von Menschen getroffen, die sich davor fürchten,
daß ihr Tier einen Anfall hat oder die fälschlicher Weise annehmen, daß das
Tier während und nach der Attacke schrecklich leidet. Während eines Anfalls
sind die Tiere nicht in der Lage, Schmerzen oder Angst wahrzunehmen, zumindest
erinnern sie sich nicht daran. Dies basiert auf Erkenntnissen bei der
Epilepsie des Menschen, und ist - obwohl nicht völlig beweisbar - eine verlässliche
Extrapolation aus der Human-Medizin. Der Anfall ist fast immer für den
Betrachter wesentlich traumatischer als für das Tier selbst.
Das Bemühen, das Tier vor Verletzungen zu schützen (ins Wasser fallen, gegen
irgend etwas zu laufen ...) ist alles, um was sich ein Dabeistehender kümmern
sollte - nicht darum, daß das Tier während des Anfalls leiden könnte.
In Bezug auf die Lebensqualität muß noch ein anderer Mythos zerstört
werden, nämlich daß epileptische Tiere unglücklich und nicht in der Lage
sind, ein zufriedenes Leben zu führen.
Viele Besitzer berichten von einer andauernden Veränderung im Temperament
nach dem ersten Anfall, und einige berichten, daß der Hund anscheinend nicht
mehr so glücklich ist, seit er krampfhemmende Medikamente bekommt. Trotzdem
ist es völlig normal, daß diese Tiere ein langes und erfülltes Leben haben
- mit gelegentlichen oder seltenen Anfällen. Und es scheint mir unmoralisch,
den voreiligen Schluß zu ziehen, daß man sich um diese Tiere nicht liebevoll
kümmern kann und ihnen nicht erlaubt, friedlich und in der Umgebung ihrer
Familie ihr Leben zu verbringen.
Keine dieser
Tatsachen darf uns aber dazu verleiten, Epilepsie als etwas anderes zu
betrachten als eine ernsthafte Krankheit, die so weit wie nur möglich durch
gewissenhafte Züchter vermieden werden muß. Aber diese Tatsachen sollen auch
als Informationen für Menschen gelten, die sich um ihre epileptischen
Lieblinge kümmern.
Epilepsie ist nicht
einfach ein weiteres Problem, das man vermeiden muß wie eine schlechte Rute
oder schlechte Haltung. Es ist eine zerstörerische Krankheit auf vielen
Ebenen. Aber es ist weder die abschließende, letzte Diagnose, noch reduziert
es dauerhaft den Wert des Hundes als Begleiter oder willigen Arbeiter auch nur
um das Geringste. Es gibt viele Begleit-, Jagd-, Gebrauchshunde etc., die ein
langes und erfülltes Leben haben - trotz ihrer Epilepsie.
Ursachen für den
Erwerb der Epilepsie bedürfen einer ausführlichen Untersuchung. Wenn Ihr
Tierarzt oder der Tierarzt eines Welpenkäufers sofort annimmt, daß es sich
um vererbte Epilepsie handelt - dann wechseln sie den Tierarzt. Im Sinne
unserer Tiere und unserer Rassen ist eine vollständige Untersuchung
erforderlich. Die Feststellung der Ursache ist ausschlaggebend für die vernünftige
Auswahl der Behandlung (oder um zu entscheiden, daß keine Behandlung
erforderlich ist), und um die richtige Entscheidung bezüglich des Wurfes, der
Eltern und der Verwandten im Zuchtprogramm zu treffen.
Hypoglykämie (Blutzuckermangel)
ist eine verbreitete Ursache für Anfälle. Bei Welpen von kleinen Rassen ist
es nicht selten , daß die Anfälle auf diese Ursache zurückgeführt werden.
Bei einigen Sport- und Jagdhunden wurden hypoglykämische Anfälle im
Zusammenhang mit überlangen Übungen beobachtet, vermutlich in Verbindung mit
einem Versagen des Glycogen-Speichers in der Leber. Geschwülste
in der Bauchspeicheldrüse kann Hypoglykämie verursachen und diese zeigt sich
gewöhnlich vor den regulären Mahlzeiten, wenn der Zuckerwert am niedrigsten
ist. Pre- und Post-Partum-Hypoglykämie kann alleine zu Anfällen führen und
stellt nicht den Anfang von Epilepsie dar.
Elektrolytische
Abnormalitäten können Anfälle provozieren. Hyponatremia (Untermenge von
Natrium im Blut) kann Anfälle auslösen und kann in Verbindung mit
Dehydration, Wasservergiftung und den Syndromen der unangemessenen
Hormon-Sekretion (SIADH) stehen, auch in Verbindung mit intrakranialen (Schädelinneres)
oder intrathorakalen (Brustinneres) Erkrankungen. Dehydration und
andere elektrolytische Abnormalitäten als Folge intestinaler (darm-)
Störungen sind klinisch normal, aber sollten nicht als mögliche
Ursache für Anfälle übersehen werden.
Hypocalcemia (Untermenge
von Kalzium im Blut) in Verbindung mit einer Geburt, chronische
Nierenerkrankungen oder Krankheiten der Nebenschilddrüse können Anfälle
aufkommen lassen.
Hypomagnesiämie (Untermenge
von Magnesium im Blut) sollte in Betracht gezogen werden <
Hyperkalämie (Vermehrter
Kaliumgehalt im Blut) kommt bei der Addisonschen Krankheit vor
(Insuffizienz der Nebennierenrinde) und kann auch verursacht werden durch zu
plötzliches Absetzen von chronisch benutzten Steroiden.
Hyperlipoproteinämie
(vermehrter Gehalt des Blutes an Lipoproteinen) wird von einer Reihe
von Züchtungen berichtet und wurde mit Anfällen in Verbindung gebracht.
Darmparasiten, besonders bei jungen Welpen, können Anfälle auslösen,
vielleicht auch durch eine Vielfalt von Stoffwechsel-Mechanismen incl.
Hypoglykämie, Hypokalzämie und toxischen Effekten.
Futterallergien konnten bei einigen Hunden als verantwortlich identifiziert
werden.
Zahlreiche toxikologische Forschungen beschäftigen sich (nicht nur) mit
Kohlenmonoxyd-Verbindungen, organischen Phosphaten, Schwermetallen wie Blei
und Quecksilber, Floh-Bad-Präparate, Überdosierungen von Nahrungszusätzen.
Intrakraniale
Pathologien wie Meningoencephalitis, Malignität, Anomalien des zentralen
Nervensystems, traumatische Hirnverletzungen müssen ausgeschlossen werden.
Sicherlich kann in
diesem Artikel keine erschöpfende Liste erstellt werden.
Ein kompetenter Tierarzt oder Veterinär-Neurologe verläßt sich auf die
Geschichte, Alter des Hundes, Art der beobachteten Anfälle, individuelle
Krankheitsgeschichte des Hundes, neurologische und allgemeinmedizinische
Untersuchungen, Rasse des Hundes, Familiengeschichte des Hundes etc., um eine
angemessene Aufarbeitung festzulegen. Abhängig von der Etiologie der Anfälle
werden die Behandlungsmöglichkeiten diskutiert und Entscheidungen bzgl. der Züchtung
mit dem individuellen Hund und seiner Verwandten können intelligent getroffen
werden.
Eine voreilige Zuordnung der Anfälle zur Vererbung kann im Einzelfall zur
Fehlbehandlung führen (z.B. krampfhemmende Therapie, während Veränderungen
im Stoffwechsel erforderlich wären) und kann zu schlechten Entscheidungen
bzgl. des Zuchtprogramms führen.
Wie ich schon ausführte,
sollte meines Erachtens davon ausgegangen werden, daß die Epilepsie vererbt
wurde, wenn eine sichere Erwerbsursache der Epilepsie nicht gefunden werden
kann.
Es wird weniger Schaden angerichtet, wenn man annimmt, daß eine erworbene
Epilepsie genetisch bedingt ist und die Tiere aus der Zucht nimmt, als bei
einer genetischen Epilepsie anzunehmen, sie sei erst erworben worden und fortfährt,
eine Linie zu züchten, die mit vererbter Epilepsie befallen ist.
Angenommen, eine gründliche Aufarbeitung wurde durchgeführt, bei der keine
Kosten zum Wohle des Tiers und der Zucht gescheut wurden, und es wurde keine
erworbene Ursache nachgewiesen, bleibt nur noch die Wahrscheinlichkeit, daß
der Hund vererbte Epilepsie hat. Wir stehen nun vor der Entscheidung bezüglich
der Zucht mit verwandten Tieren. Dies ist natürlich eine persönliche
Entscheidung und viele Faktoren, neben den genetischen, spielen eine Rolle
oder sollten bei dieser Entscheidung eine Rolle spielen; aber eine Gen-Analyse
bei identifizierter oder vermuteter vererbter Epilepsie ist der nächste
logische Schritt, um die endgültige Entscheidung zu treffen, ob zu züchten
oder nicht, und welche Tiere von der Zucht ausgenommen werden müssen.
Vererbte Epilepsie folgt allen bekannten Wegen der Vererbung. Geschlechtsgebunden
Vererbung kennt man nur bei metabolischen Themen wie einige der
neurogenerativen Krankheiten, die Epilepsie als eine von vielen vererbten
Abnormalitäten hervorbringen, nicht Epilepsie alleine. So steht man
normalerweise vor dem Versuch, herauszufinden, ob die Epilepsie vererbt ist
als eine dominante Anlage (nur von einem Elternteil kommend), als eine einfach
rezessive (getragen von einem Gen beider Eltern), oder als eine polygenetische
rezessive Anlage (getragen von mehreren Genen, die Kombination vieler Gene
stellen die Bedingung her). Eine weitere komplizierte Angelegenheit ist es,
herauszufinden, ob die Bedingung vererbt ist als eine dominante Anlage mit
nicht kompletter Durchdringung, so daß einzelne Tiere, obwohl genetisch
angegriffen, das Gen nicht demonstrieren (nicht epileptisch sind).
Es ist keine gültige Annahme, daß innerhalb irgendeiner Zucht Epilepsie auf
eine einzige Art vererbt wird. Epilepsie ist ein äußerliches Symptom einer
inneren Abnormalität. Ein Mitglied einer Zucht kann eine erworbene Epilepsie
haben, während ein anderes die vererbte Epilepsie haben kann, bezogen auf
Glukose-Metabolismus, vererbt durch einfache autosomale Rezessive, und ein
anderes kann vererbte Epilepsie haben, mit Bezug auf Abnormalitäten des
zentralen Nervensystems, vererbt als eine dominante Anlage mit nicht
kompletter Durchdringung, so daß sein Vatertier die gleichen Bedingungen hat,
aber keine äußerlichen Anzeichen von Epilepsie zeigt.
Bei der einfachen Rezessivität ist der Ursprung, zumindest bei reinrassigen
Hunden, höchst wahrscheinlich in der Linien-Zucht oder bei Inzucht-Würfen.
Linienzucht und Inzucht sind dafür bestimmt, die Kombination von Genen zu
maximieren, so daß die Tiere hoffentlich für die positiven Eigenschaft
homozygotisch (gleiche Erbanlagen tragend) werden. Unglücklicherweise werden
die gleichen Tiere homozygotisch für die negativen Eigenschaften wie
angeborene Fehler im Stoffwechsel, die Epilepsie hervorrufen.
Theoretisch tritt einfach rezessive Anlage als homozygotisches Paar bei 25 %
eines Wurfes auf, bei dem beide Elternteile eine Ausgabe des abnormalen Gens
haben. Deshalb kann man annehmen, daß bei einem 8er Wurf zwei Welpen, bei
einem 16er Wurf (z.B. Irish Setter) 4 Welpen betroffen sind. Nachforschungen
im Stammbaum können wohl betroffene Onkel oder Tanten zu Tage bringen (deren
Wurfgefährten jene Träger waren, aber nicht betroffen waren), aber
Auskreuzungen von den gleichen Eltern werden vielleicht keine betroffenen
Tiere hervorbringen, da die rezessiven Gene in anderen Linien nicht vorhanden
sein müssen (es sei denn, sie haben sich schon früh in der genetischen
Geschichte der Rasse verbreitet).
In Bezug auf die Zuchtentscheidung kann man die Wahrscheinlichkeit bestimmen,
mit der jeder Verwandte das Gen trägt und somit eine angemessene Entscheidung
fällen. Bei einem Wurf mit vermuteter vererbter Epilepsie in einfach
rezessiver Art, werden 25 % der Tiere homozygotisch für die Krankheit sein
und Epilepsie haben. 50 % werden heterozygotisch (mischerbig) für die
Krankheit sein und damit Träger, 25 % sind keine Träger, und beide
Elternteile sind definitiv als Träger identifiziert. Wenn der Zustand der Trägerschaft
eine Entscheidung bezüglich Zuchtausschluss angebracht erscheinen läßt,
dann sollten beide Elternteile aus der Zucht genommen werden und zwei Drittel
des nicht befallenen Wurfes.
Das Problem dabei ist festzustellen, welche der nicht befallenen
Wurfmitglieder Träger sind und aus der künftigen Zucht ausgenommen werden
sollen. Es gibt keinen äußerlichen Unterschied zwischen Träger und Nicht-Träger
im Wurf. Die Entscheidung, eine Testzucht in Betracht zu ziehen, ist eine persönliche
Sache (Wurfmitglieder mit bekannten Trägern - wie befallene Wurfmitglieder,
homozygotisch für das Gen, dies würde 50 % befallene Tiere hervorbringen,
wenn das Testtier ein Träger ist).
Die Annahme, daß Wurfmitglieder, die keine Epilepsie haben, möglicherweise
nicht befallen sind, steht auf wackligen Füßen, da 2/3 der Wurfmitglieder,
die keine Epilepsie haben, Träger sind und nur 1/3 nicht. Meine eigene
Entscheidung in diesem Fall wäre, den gesamten Wurf und beide Eltern aus der
Zucht zu nehmen. Ich könnte eine andere Entscheidung verstehen. Vielleicht
ist die so produzierte Epilepsie eine milde, nicht anstrengende Form und diese
Linie ist eine der wenigen, die nicht ein wesentlich zerstörerisches
genetisches Problem in sich trägt wie z.B. PRA. Blindheit ist sicherlich
schlimmer als das Risiko von gelegentlichen Anfällen. So gesehen ist eine
Testzucht sicherlich eine anziehende Überlegung.
Wenn die Art der Vererbung als polygenetisch rezessiv betrachtet wird, ist das
Überhandnehmen der Krankheit innerhalb der Zucht der wichtigste Aspekt. Bei
polygenetischer Vererbung ist es die Kombination von mehreren Genen, die
diesen Zustand herstellt. Bei der Epilepsie ist dies der wahrscheinlichste
Grund der reduzierten Schwelle zu Anfällen, in der die Tiere offensichtlich
eine Veranlagung zu Anfällen selbst bei nur geringfügigen Störungen des
metabolischen Zustandes haben.
In anderen Worten, während das eine Tier leichte Dehydration an einem heißen
Sommertag toleriert, bekommt ein anderes Tier mit einer niedrigen
Anfalls-Schwelle als Reaktion auf diesen Stress einen Anfall. Bei der nächsten
Gelegenheit ist es eine Reaktion auf ein paar fehlende Mahlzeiten mit
relativer Hypoglykämie oder eine Überlastung durch Parasiten.
Bei einer polygenetischen rezessiven Vererbung (eine verbreiteter
Hundezustand, der höchst wahrscheinlich polygenetisch vererbt wird, ist Hüftgelenksdysplasie),
kommen die Gene wieder von beiden Eltern und sind wahrscheinlich in beiden
Eltern mit einem oder mehreren Genen, die zum Zustand beitragen, vorhanden.
Ein Elternteil kann mehrere abnormale Gene tragen, während der andere nur ein
solches Gen trägt. Es ist die Kombination, die die klinische Erscheinung der
Krankheit herstellt, in diesem Fall der Epilepsie. Die Situation ist die
gleiche bei Auskreuzungen als auch bei Linienzucht, es sei denn, die
genetische Verteilung fand bereits sehr früh statt.
Im Falle von Auskreuzungen wird angenommen, daß bestimmte Kombinationen von
Genen, die schädlich in ihrer Kombination aber nicht als einzelne sind, die
Krankheit auslösen. Während jede Linie Gene in sich haben kann, die zur
Krankheit beitragen können, fehlen diese besonderen Gene, die die andere
Linie hat, in der einen Linie, was, wenn sie nun kombiniert werden, besonders
schädlich für das Tier ist.
Dies ist kein ungewöhnliches Phänomen in der Hundezucht, wo es bekannt ist,
daß die Kombination solcher 2 Linien einfach nicht funktioniert. Das
Verbleiben innerhalb einer Linie kann die Gelegenheit vermeiden, daß diese
besonders gefährliche Kombination eintritt. Natürlich existieren diese
besonders schädlichen Gene in einigen Tieren der Linie und die Linienzucht
produziert dann ähnlich wie bei der Auskreuzung diesen Umstand.